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Konzentrationsmangel

Sind Sie immer bei der Sache?

Wenn draußen die Temperaturen steigen, sinkt unter Arbeitnehmern die Konzentrationsfähigkeit. Zusätzlich hat die Zeitumstellung nicht unerhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des menschlichen Organismus. Konzentrationsmangel kann aber auch auf verschiedene Belastungen, sogar auf schwerere Krankheiten hindeuten.

Konzentrationsmangel: Die Zeitumstellung bedeutet Stress für Arbeitnehmer

Konzentrationsmangel: Die Zeitumstellung bedeutet Stress für Arbeitnehmer

Manchmal ist bei einem Blick aus dem Fenster die Aufmerksamkeit schon dahin. Vor allem an den ersten schönen Frühlingstagen fällt es vielen Beschäftigten schwer, sich zu konzentrieren. In diesem Fall ist die Problematik meist vorübergehend und der Grund naheliegend: Die äußeren Umstände lenken einfach zu sehr von der Arbeit ab. Doch hinter der saisonalen Konzentrationsschwäche können sich weitere Ursachen verbergen, zum Beispiel eine zu hohe Belastung am Arbeitsplatz oder Frühjahrsmüdigkeit.


Zeitumstellung verursacht Schlafstörungen, Depressionen, Appetitlosigkeit

Gravierender als vielfach angenommen sind offenbar die Auswirkungen der Umstellung auf die Sommerzeit. Das bewies bereits 2007 ein Forscherteam um Professor Till Roenneberg an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Demnach kann die „gestohlene“ Stunde selbst bei Frühaufstehern erheblichen Stress verursachen. In der Anpassungsphase leiden viele Menschen unter Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen und Appetitlosigkeit, was wiederum zu Konzentrationsmangel führen kann.

Rund 55 000 Menschen waren zu diesem Thema befragt worden. „Wir waren selbst von dem Ausmaß der Effekte überrascht“, erklärt Roenneberg. Rund 82 Prozent der Bundesbürger spürten die Auswirkungen, weniger betroffen seien die Bewohner von Großstädten mit mehr als 300 000 Einwohnern.

Der Lebenswandel spielt eine Rolle

Eine vorübergehender Konzentrationsmangel kann viele Ursachen haben. Mediziner und Therapeuten nennen vor allem:

  • Schlafdefizit
  • Bewegungsmangel
  • Unter- oder Überforderung
  • Stress und Burnout
  • Allergien
  • Konsum von Alkohol, Kaffee, Nikotin oder illegalen Drogen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Unausgewogene Ernährung (Vitamin- und Mineralstoffmangel, Zuckerüberschuss)
  • Auch Umstellungen im Hormonhaushalt können das Konzentrationsvermögen beeinträchtigen, zum Beispiel bei Frauen während der Wechseljahre.


Im Zweifelsfall zum Arzt

In vielen Fällen hilft bereits ein veränderter Lebenswandel, das Problem in den Griff zu bekommen. Doch zu leichtfertig sollten Sie nicht mit Konzentrationsstörungen umgehen.

Ziehen Sie im Zweifelsfall immer Ihren Betriebs- oder Hausarzt zu Rate: Vielleicht liegt eine organische, psychosomatische oder neurologische Erkrankung zugrunde, etwa Depression, Magersucht, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Störungen der Gehirndurchblutung.

Anzeichen von ADHS

Verbunden mit innere Unruhe und Verhaltensauffälligkeiten gelten Konzentrationsstörungen, auch als Anzeichen von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), die vor allem bei Kindern bereits stark thematisiert wurde. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) sind auch Erwachsene noch häufig davon betroffen. Die Erkrankung wird psychotherapeutisch und medikamentös behandelt, unter anderem mit Ritalin. Der Einsatz der pharmazeutischen Mittel ist jedoch teilweise umstritten und sorgte in der Vergangenheit auch für kritische Medienberichte.

Der Leidensdruck wächst

Tatsache ist: Insgesamt nehmen Konzentrationsstörungen in der Bevölkerung zu und der damit verbundene Leidensdruck wächst. Davon zeugen die anhaltende Diskussion um eine angemessene Work-Life-Balance und sich häufende Meldungen über den Missbrauch von Medikamenten im Job. Gestiegen ist auch die Zahl der Hilfeeinrichtungen mit dem Schwerpunkt „Sucht am Arbeitsplatz“.

Missbrauch von Ritalin & Co.

Alles deutet darauf hin, dass die Konzentrationsprobleme mit den Anforderungen gewachsen sind: Bei einer Umfrage des Magazins „Nature“ gab jeder fünfte gesunde Leser an, regelmäßig Medikamente zu nutzen, um seine Konzentration zu steigern. Ganze siebzig Prozent nehmen Mittel bei Bedarf ein. „Das hätten vor 20 Jahren vielleicht zehn Prozent gesagt“, erklärt Götz Mundle, Chefarzt der Oberbergklinik Schwarzwald, die auf die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen und Burn-out spezialisiert ist.

Anforderungen verstärken das Problem

Mundle bestätigte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass gesunde Menschen Medikamente wie Ritalin einnehmen, um ihre Konzentration und Leistungsfähigkeit zu steigern. Die Folge sei langfristig aber die totale Erschöpfung bis hin zum Zusammenbruch.
Hinter all dem steckt auch der heute verbreitete Anspruch, „grenzenlos“ zu agieren: Die Arbeit wird mit nach Hause genommen, Langstreckenflüge sind Standard, der Konkurrenzdruck ist in Zeiten der Finanzkrise enorm. Da kann es schon helfen, einen Gang runter zu schalten.

Christine Lendt ist freie Fachjournalistin

Veröffentlicht:
2009-04-05

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