Grenzen setzen
Öfter mal Nein sagen
Der Kollege bittet Sie schon wieder um einen Gefallen, der Chef ordnet Überstunden an und Ihre Mutter braucht Hilfe mit ihrem neuen Computer. Eigentlich haben Sie keine Zeit und auch keine Lust, aber trotzdem sagen Sie nicht Nein...
Einige Menschen können sich hervorragend abgrenzen - andere nicht.
– und ärgern sich danach über sich selbst. Doch warum fällt es Ihnen so schwer, Nein zu sagen? Und wie können Sie es lernen?
Warum sagen wir nicht Nein?
Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, warum Menschen nicht gut Nein sagen können. Da ist die Angst vor den Konsequenzen, die gerade im Berufsleben tief sitzt. Niemand möchte als „faul“ gelten und sich so ins berufliche Aus katapultieren.
Versuchen Sie, eine Situation realistisch einzuschätzen. Ordnet der Chef für alle Überstunden an, weil sonst ein wichtiges Projekt nicht gestemmt werden kann, sollten Sie mitmachen, auch wenn Sie nicht wollen. Versucht dagegen der immer gleiche Kollege, Arbeit auf Sie abzuwälzen, ohne sich dafür zu revanchieren, dürfen Sie gerne ablehnen.
Ein weiterer Grund, warum wir oft nicht Nein sagen können, ist, dass wir gerne gemocht und gebraucht werden. Doch wer Dinge immer nur anderen zuliebe macht, bleibt selbst auf der Strecke. Denken Sie also auch mal an sich.
In welchen Situationen können Sie nicht Nein sagen?
Gibt es Situationen, in denen Sie sich besonders leicht überrumpeln lassen? Ist es ein bestimmter Kollege, von dem Sie sich immer wieder Arbeit aufbürden lassen? Haben Sie sich vor einiger Zeit eine bestimmte Verpflichtung übernommen und wissen Sie nicht, wie Sie diese wieder loswerden sollen? Analysieren Sie diese Situationen und achten Sie darauf, dass Sie nicht immer wieder in dieselben Verhaltensmuster fallen.
Entlarven Sie die Strategien der anderen und sagen Sie beim nächsten Mal Nein
Einige Menschen verstehen es hervorragend, ihre Wünsche durchzusetzen, indem sie uns etwas vorjammern, an unser Mitgefühl appellieren und uns so auf subtile Weise erpressen. Andere erklären uns für egoistisch und lösen dadurch Schuldgefühle bei uns aus – und schon sagen wir wieder Ja. Versuchen Sie, solche Strategien zu entlarven und schauen Sie genau hin, welche Mittel andere Personen einsetzen, um etwas bei Ihnen zu erreichen.
Erst denken, dann Nein sagen
Oft sagen wir zu schnell Ja, weil wir überrumpelt werden. Die Kollegin steht in der Tür und fragt: „Ich habe den ganzen Schreibtisch voll und schaffe den Bericht nicht mehr. Kannst du das übernehmen?“ Uns bleibt keine Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob wir dafür überhaupt Zeit haben. Schalten Sie hier kurz auf Stopp und bitten Sie um Bedenkzeit: „Ich muss erst mal kurz nachsehen, was ich selbst noch alles zu tun habe. Ich gebe dir in fünf Minuten Bescheid.“ So haben Sie wertvolle fünf Minuten Zeit gewonnen, in denen Sie überlegen können, ob Sie diese Aufgabe übernehmen können oder wollen. Und können dann sagen, dass Sie es leider auch nicht schaffen.
Geben Sie nicht mehr, als Sie bekommen
Machen Sie sich klar, was es bedeutet, wenn Sie schon wieder Ja sagen. Vielleicht stehen Sie noch mehr unter Stress, weil Sie ohnehin schon kaum mit Ihren Aufgaben fertig werden. Vielleicht müssen Sie einen Termin absagen, der Ihnen wichtig ist. Oder vielleicht ärgern Sie sich: über die Kollegin, über den ganzen Stress und vor allem über sich.
Natürlich sollten wir in Beziehungen – egal ob privat oder geschäftlich – nicht immer alles gegeneinander aufrechnen. Trotzdem sollten Sie Beziehungen, in denen Sie immer nur geben, aber nichts zurückbekommen, einmal genauer unter die Lupe nehmen. Denn es gibt leider Menschen, die Ihre Gutmütigkeit geschickt auszunutzen wissen – und Sie werden im Laufe der Zeit immer unzufriedener. Machen Sie sich klar, dass Sie und Ihre Zeit genauso wichtig sind wie die Zeit anderer Leute und dass auch Sie einen Anspruch haben, Ihre eigenen Bedürfnisse zu verwirklichen.
Sagen Sie konstruktiv Nein
Wenn Sie Nein sagen, sollten Sie das so deutlich tun, dass der andere Sie nicht missverstehen kann. Trotzdem muss ein Nein keine barsche Abfuhr sein. Liefern Sie dem anderen eine Begründung mit, warum Sie eine bestimmte Aufgabe nicht übernehmen können: „Tut mit leid, normalerweise helfe ich gerne, aber ich muss heute selbst pünktlich nach Hause. Ich habe noch einen Termin.“ Sehr gut ist es auch, wenn Sie dem anderen eine konstruktive Lösung anbieten können: „Jetzt gleich kann ich es nicht machen, aber wenn es morgen auch noch Zeit hat, helfe ich gerne“. Außerdem können Sie anbieten, zumindest einen Teil der Aufgabe zu übernehmen oder jemanden zu suchen, der einspringen kann.
Na also: Nein sagen ist gar nicht so schlimm!
Wahrscheinlich sind Sie furchtbar nervös, wenn Sie zum ersten Mal einfach Nein sagen. Sie malen sich aus, was im schlimmsten Fall passieren könnte: Tobsuchtsanfälle, Drohungen, fristlose Kündigung … Doch wenn Sie es dann getan haben, werden Sie eine erstaunliche Feststellung machen: So schlimm war es gar nicht! Die Welt ist nicht untergegangen, im Gegenteil. Die meisten Menschen werden sogar Verständnis für Ihre Situation haben. Und beim nächsten Mal wird es Ihnen dann schon viel leichter fallen, einfach einmal Nein zu sagen.
Autorin: Birgit Adam


