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Winterdepression

So kommen Sie aus dem Stimmungstief

Der Winter steht vor der Tür: Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Morgens geht man im Dunkeln zur Arbeit, und abends kommt man im Dunkeln wieder nach Hause. Statt Sonnenschein gibt es meist nur noch fieses Schmuddelwetter. Das schlägt vielen Menschen aufs Gemüt. Ärzte bezeichnen das Stimmungstief als „saisonal abhängige Depression“. Eine Therapie ist oft mit ganz einfachen Mitteln möglich.

Winterdepression

Winterdepression

In Deutschland leiden circa 800 000 Menschen an einer Winterdepression. Frauen sind viermal so oft betroffen wie Männer. Das Gute-Laune-Tief beginnt, sobald die ersten Blätter fallen und die Tage spürbar kürzer werden. Ein Ende nimmt die jahreszeitliche Depression oft erst im Frühling.

Antriebslos am Arbeitsplatz

Dass schlechtes Wetter die Stimmung verdirbt, ist nichts Besonderes. Das kennt jeder von uns. Wenn sich Ihre Laune aber auf Dauer verschlechtert, sind Sie wahrscheinlich nicht nur mies gelaunt, sondern winterdepressiv.

Betroffene leiden an einer grundlosen Traurigkeit, sind antriebs- und energielos und haben oft Heißhunger, vor allem auf Süßes. Auch ein erhöhter Schlafbedarf ist ein Symptom. Morgens kommt man nur schwer aus dem Bett, und schon mittags sehnt man sich wieder nach einem Nickerchen.

All diese Symptome wirken sich nicht gerade positiv auf die Arbeitsleistung aus. In vielen Berufen können sie sogar lebensgefährliche Folgen haben. Wer beispielsweise mit Maschinen arbeitet, muss hochkonzentriert vorgehen, damit niemand zu Schaden kommt.

Hormone sind schuld

Warum machen die kalten Monate der Seele so zu schaffen? Schuld haben die Hormone, allen voran das müdemachende Melatonin. Es reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus.

Die Produktion dieses Botenstoffes ist abhängig vom Tageslicht. Je weniger Tageslicht wir abbekommen, desto mehr Melatonin produziert unser Körper - und um so schläfriger werden wir. Aber damit sind die Hormonverwicklungen noch nicht beendet.

Der Tageslichtmangel sorgt auch für einen niedrigen Serotoninspiegel. Serotonin ist ein sogenanntes Glückshormon, eine Unterversorgung wirkt sich negativ auf das Gemüt aus.

Stimmungsmacher

Eine winterabhängige depressive Verstimmung können Sie oft mit einfachen Mitteln bekämpfen:

Frischluft tanken

Licht wirkt sich positiv auf Ihre Hormone aus. Deshalb sollten Sie täglich mindestens 30 Minuten für einen Spaziergang im Tageslicht erübrigen. Dabei ist es egal, ob die Sonne scheint oder nicht. Sie bekommen draußen auf jeden Fall genug Licht ab, um Ihre Seele auf Trab zu bringen.

Die Mittagspause ist besonders geeignet, denn dann ist das Licht am hellsten. Vielleicht können Sie ja den einen oder anderen Kollegen überreden, Sie zu begleiten.

Lichtdusche statt Sonnenschein

Nicht jeder hat die Möglichkeit, täglich einen Spaziergang zu machen. Dann hilft die Sonne aus der Steckdose. Damit ist nicht die Sonnenbank gemeint, sondern eine Lichtdusche. Das ist eine spezielle Lichttherapielampe, die eine Helligkeit von bis zu 10 000 Lux erreicht, ihr Farbspektrum entspricht dem des Tageslichts.

Tägliche Sitzungen vor der Lampe, etwa 30 Minuten lang, wirken doppelt: Die Melatoninproduktion wird gehemmt und die Serotoninausschüttung angeregt. Der stimmungsaufhellende Effekt lässt aber etwas auf sich warten. Sie müssen sich etwa fünf bis zehn Tage gedulden.

Das klappt nicht

Normale Lampen können Sie nicht für eine Lichttherapie verwenden. Diese erreichen in der Regel nur eine Helligkeit von etwa 300 bis 500 Lux. Das reicht nicht aus, um das Hormonsystem zu beeinflussen.

Auch Solarien sind keine Hilfe. Es mag sein, dass die Wärme das persönliche Wohlbefinden kurzfristig steigert, doch ein Sonnenbankbesuch hilft nicht gegen eine Winterdepression.

Alternative Hilfe

Viele Menschen schwören bei depressiven Verstimmungen auf alternative Heilmethoden. Vor allem homöopathische und pflanzliche Mittel kommen häufig zum Einsatz.

Der bekannteste pflanzliche Stimmungsaufheller ist Johanniskraut. Es wird hochdosiert eingenommen und zeigt seine Wirkung nach etwa zwei bis vier Wochen.

Aber auch die Küchenschelle (Pulsatilla), Baldrian, Passionsblume, Hopfen oder Ginko sorgen für gute Laune. In der Adventszeit sollten Sie bei den Weihnachtsgewürzen zugreifen. Denn Ingwer, Kardamom, Nelken und Zimt haben einen positiven Einfluss auf unsere Hormonproduktion.

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) wird ebenfalls zur Behandlung depressiver Verstimmungen eingesetzt. Bekannt sind hier vor allem Akupunktur und Akupressur.

Gute-Laune–Tipps

Der Winter hat sicher schöne Seiten, aber leider auch ein paar unangenehme. Sonnenlicht ist Mangelware, und die Temperaturen gehen in den Keller. Die wenigen Tageslichtstunden, die einem noch verbleiben, verbringt man meist am Arbeitsplatz. Da bekommt man schnell den Winter-Blues. Gerade jetzt sollten Sie Ihre Seele verwöhnen - und das ist gar nicht so schwer:

  • Gehen Sie täglich raus an die frische Luft - und zwar bei jedem Wetter.
  • Treiben Sie regelmäßig Sport. Dadurch wird nicht nur Ihr Immunsystem, sondern auch Ihre Endorphinproduktion angeregt. Endorphin ist, genau wie Serotonin, ein Glückshormon.
  • Auch wenn es draußen ungemütlich ist und Sie einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich haben, verlassen Sie mal Ihre Couch. Treffen Sie sich mit Freunden, unternehmen Sie etwas.
  • Naschen Sie sich glücklich. Bananen, Ananas oder Kiwis sind ideale Pausensnacks. Wer es deftiger mag, kann auch Tomaten und Paprika essen. All diese Lebensmittel enthalten Tryptophan. Dieser Stoff regt die Serotoninbildung an.
  • Gute Laune geht durch die Nase. Düfte wirken ebenfalls anregend, besonders die von Zitrusfrüchten und Melisse. Aber nicht jeder kann eine Duftkerze oder Aromalampe am Arbeitsplatz aufstellen. Alternativ geben Sie zwischendurch ein bis zwei Tropfen Aromaöl (z. B. Orangenöl) auf ein Taschentuch und schnuppern Sie daran.

Fazit

Eine Winterdepression ist ein regelrechter Energievampir. Das wirkt sich natürlich negativ auf den Arbeitsalltag und das Privatleben aus. Es lohnt sich, dem Winter-Blues die Stirn zu bieten, auch wenn es etwas Überwindung kostet.

Aber: Problematisch wird es, wenn Ihre depressive Stimmung anhält und sich womöglich noch verstärkt. Dann sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Denn gegen schwere Depressionen können die genannten Selbsthilfemaßnahmen nichts ausrichten.

Betroffene müssen in der Regel psychotherapeutisch und eventuell auch medikamentös behandelt werden. Ihr Arzt kann Ihnen sicher einen Fachmediziner empfehlen. Sie können sich auch an Ihre Krankenkasse oder den Verband der Psychologen wenden. Dort erfahren Sie, wo Sie einen anerkannten Therapeuten in Ihrer Nähe finden.

Petra Dietz, Freie Fachjournalistin
Veröffentlicht:
2007-10-17

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