Konfliktmanagement
Weniger Zeitdruck durch gezielte Absprache
Es gibt Kollegen, die versuchen Macht dadurch auszuspielen, dass sie anderen „auf den letzten Drücker“ zuarbeiten. Es gibt aber auch Arbeitnehmer, die es nicht schaffen, ihre Aufgaben so zu bewältigen, dass ihre Kollegen ohne Zeitdruck weiterarbeiten können. Beide Formen sind für Sie als Betroffenen ärgerlich.
Land unter auf Ihrem Schreibtisch?
A und O des Konfliktmanagements ist es, dass Sie nicht wutentbrannt in das Zimmer des betreffenden Kollegens rennen und sich über seine mangelnde Kollegialität beschweren.
Unter Umständen ist es ihm nämlich gar nicht bewusst, dass er Sie durch sein Verhalten in Zeitnot bringt – oder er freut sich, dass er nachweislich „Herr der Abläufe“ ist.
Überlegen Sie sich stattdessen – sobald Ihr erster Ärger über die Situation verraucht ist -,
- auf welche Weise Sie zukünftig besser zusammenarbeiten könnten („Wenn ich weiß, dass dann und dann die Aufgabe x kommt, kann ich mich darauf zeitlich einstellen und gegebenenfalls vorher bei meinem Kollegen bezüglich der Zuarbeit nachhaken“),
- was Sie davon kurzfristig erzielen können („Ich möchte erreichen, dass wir gemeinsam einen Terminplan zu den Projekten ... führen“) und
- welche konkreten Punkte Sie an der Arbeitsweise Ihres Kollegen mittel- und langfristig verändern möchten („Mein Ziel ist es, dass Herr ... zukünftig die Zuarbeit so erfüllt, dass ich nicht mehr unter Zeitdruck gerate.“).
Bevor Sie nun mit Ihrem Kollegen über Ihr Anliegen sprechen, ist es wichtig, dass Sie für sich geklärt haben,
- welche Beweggründe hinter dem Verhalten des betreffenden Kollegens stehen könnten,
- was Sie beide an Ihrer Arbeitsweise verbessern können und
- welche Vorteile es für Ihren Kollegen hat, wenn Sie Ihre Arbeitsprozesse besser aufeinander abstimmen.
Beginnen Sie das Gespräch mit Ihrem Kollegen, indem Sie
- seine Erwartungen an Ihre Zusammenarbeit (z. B.: „Unser Auftrag ist ... . Wie können wir beide Ihrer Ansicht nach noch bessere Ergebnisse erzielen“) sowie
- seine Bedürfnisse (z. B.: „Haben Sie das Gefühl, dass wir in der bisherigen Arbeitsform gut miteinander kooperieren? Gibt es Arbeiten, die ich Ihnen im Vorfeld noch abnehmen kann?“)
abfragen.
Sobald Sie seine Sichtweise kennen, sprechen Sie Ihren Vorschlag an, wie Ihre Zusammenarbeit zukünftig noch besser laufen könnte und welche Vorteile Sie für ihn dabei sehen. Beharren Sie dabei aber nicht auf Ihrer Sichtweise, sondern laden Sie Ihren Kollegen ein, gemeinsam mit Ihnen eine bessere Möglichkeit der Zusammenarbeit zu finden. Unter Umständen werden Sie dabei auf Aspekte stoßen, die Sie bisher entweder nicht gesehen oder nicht beachtet haben.
In der Regel finden Sie mit dieser Vorgehensweise letztlich eine Lösung, mit der Sie beide gut leben können – insbesondere jedoch dann, wenn Ihr Kollege konkrete Vorteile dabei für sich erkennt.
Dr. Jutta Gröschl ist Chefredakteurin der Monatspublikationen „Coaching“ und „Sekretärinnen SERVICE“, die im WEKA-Tochterunternehmen GWI erscheinen.


